Kundgebung

Initiative zu Gedenken an Ramazan Avcı

Kartalweb / Hamburg
18. Dezember 2017


Es gibt eine lange Tradition bei rassistischen Morden in Hamburg. In der Nacht vom 21. auf den 22. August 1980 verübten Mitglieder einer terroristischen Neonazigruppe in der Hamburger Halskestraße einen Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim. Ngoc Nguyên und Anh Lân Dô hatten keine Chance und starben an den Brandverletzungen. Am 22. Juni 1982 wurde in Norderstedt der 26-jährige Tevfik Gürel von Neonazis erschlagen. Wenige Zeit zuvor, am 26.5.1982, verbrannte sich die Lyrikerin Semra Ertan aus Prostest gegen die rassistischen Zustände in Mitten von St.Pauli. Adrian Maleika wurde von nazistischen HSV Fans angegriffen und verstarb am 17.10.1982 im Krankenhaus. Bereits wenige Monate vor Ramazan Avcıs Ermordung, wurde am 24.7.1985 in Hamburg Mehmet Kaymakcı von Rechtsradikalen angegriffen und ermordet. Sie zertrümmerten mit einer Betonplatte seinen Schädel. Nichts erinnert an diese Verbrechen in dieser Stadt. Obwohl die Mörder von Ramazan Avcı aus dem Umfeld der neonazistischen FAP und der „Aktionsfront Nationale Sozialisten“ stammten, wurde offiziell kein politisches Motiv gesehen. Der rassistische Mord an Ramazan Avci wurde im Gerichtssaal mit „oberflächlichem Nationaldenken“ verklärt. Heute zünden Rassisten Flüchtlingsunterkünfte an, und die Täter werden als „besorgte Bürger“ verharmlost.
Dieses Jahr wurde am 23. November an den 25. Jahrestag der rassistischen Brandanschläge von Mölln gedacht und erinnert. Immer noch müssen die Familienangehörigen Arslan und Yılmaz für ein würdevolles Gedenken kämpfen. Ihre Forderungen nach Straßenumbennungen für die Ermordeten Yeliz und Bahide Arslan und Ayşe Yılmaz stoßen in Mölln auf taube Ohren, genauso wie ähnliche Forderungen von Angehörigen der NSU-Opfer.
Nach dem Brandanschlag wurde die Familie Arslan in der Öffentlichkeit verdächtigt in den Mord verwickelt zu sein. Ein bekanntes Muster, das sich bis heute durchzieht, wenn Rassismus als Tatmotiv ausgeschlossen werden soll. Die Täter-Opfer-Umkehrung wird nicht nur seit den NSU Morden praktiziert. Zahlreiche rassistische Morde, wie 1996 in Lübeck, wurden durch die deutschen Behörden vertuscht und die Aufklärung aktiv behindert.
Dieses Jahr starb jeder 50. Flüchtling beim Versuch das Mittelmeer zu überqueren. Für die tödlichste Grenze der Welt ist die europäische Abwehrpolitik verantwortlich. Ein Verbrechen an der Menschlichkeit, dass täglich vor unseren Augen stattfinden. Vergewaltigung, Folter, Versklavung, Haft und Ermordung von Menschen in arbeitsteiliger Kooperation mit Mörderbanden und Tyrannen, sind Teil dieser aktiven Abschottungspolitik. Wir erleben weltweit einen beängstigenden Rechtsruck und Erosion der Menschenrechte. Eine rassistische, homophobe, sexistische, antisemitische und rechtsextreme Partei sitzt als dritt stärkste Kraft erstmals im Bundestag, und es wird zum Dialog mit diesem aufgerufen. Mit Rassisten und Faschisten gibt es keinen Dialog!
Wir wollen an diesem Tag Ramazan Avcı gedenken und an andere Opfer von rassistischen Übergriffen erinnern. Die Familie Avcı wünscht sich, dass bei der Kundgebung vornehmlich Familienangehörige von Opfern rassistischer Gewalt zu Wort kommen. Ein Beitrag in Form von Blumen (Rosen) ist erwünscht.
Kundgebung
Donnerstag, 21.12.2017 um 18.00 Uhr, Ramazan-Avcı-Platz (S-Bahnhof Landwehr)
Initiative zu Gedenken an Ramazan Avcı

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